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Kundalini-Yoga
Kiel

Entspannung

In diesem Text möchte ich ein paar Gedanken zum Thema Anspannung - Entspannung teilen. Der Wechsel von Anspannung und Entspannung ist einer der grundlegendsten Prozesse im Leben. Alle wichtigen Körperfunktionen folgen dem natürlichen Rhythmus von Anspannung und Entspannung. Wenn wir einen gesunden Rhythmus zwischen diesen beiden Polen haben, geht es uns gut und wir können uns gut konzentrieren, sind aufmerksam und können auch loslassen und entspannen. Hier ein paar Beispiele: unser Herz bzw. der Herzmuskel befindet sich permanent in einem Wechsel von Anspannung und Entspannung. Am Ende der Anspannungsphase wird das Blut aus dem Herzen in die Arterien gepumpt und während der Entspannungsphase gelangt es über das Blutgefäßsystem zurück in das Herz. Das gleiche gilt für die Atmung: Während der Einatmung wird die Atemmuskulatur - dazu gehören das Zwerchfell (Muskel-Sehnen-Platte) und die äußeren und inneren Zwischenrippenmuskeln - angespannt, so dass ein Unterdruck entsteht und die Luft in die Lungen gesogen wird. Bei der Ausatmung erschlaffen diese Muskeln. Erst wenn wir verstärkt atmen, wird auch die Ausatmung durch Hilfsmuskulatur unterstützt. Und auch die Vorgänge in unserem Nervensystem folgen dem Prinzip der Anspannung - Entspannung. Nach jedem Impuls der Reizweiterleitung (vom Gehirn zu den Muskeln oder auch von den Sinnesorganen zum Gehirn) gibt es einen kurzen Moment der Pause (= Entspannung) im Reizleitungssystem. In unserem vegetativen Nervensystem (der Teil den wir nicht willentlich steuern können) gibt es einen rhythmischen Wechsel von Phasen in denen wir eher aktiv und angeregt sind und Phasen in denen wir entspannt sind. Wenn unser vegetatives Nervensystem aktiv und angeregt ist, ist der sympathische Teil aktiv. Wenn wir entspannt sind, ist der parasympathische Teil aktiv. Es gibt nicht nur einen Tag-Nacht-Rhythmus im vegetativen Nervensystem, sondern auch einen Wechsel im Laufe des Tages: Morgens, wenn wir wach werden, bereitet der Sympathikus uns auf den Tag vor, unser Herzschlag wird kräftiger und schneller, unser Blutdruck steigt, die Atmung wird aktiver und alle Sinnesorgane werden aktiviert. Dies geschieht, damit wir gut in den Tag starten können. Gleichzeitig werden die körperlichen Prozesse, die nachts vom Parasympathikus angeregt werden wie z.B. die Verdauung und Regeneration, heruntergefahren. Im Laufe des Tages wechseln sich die beiden Phasen rhythmisch ab. Morgens und vormittags ist in der Regel das sympathische Nervensystem aktiver, um die Mittagszeit rückt das parasympathische Nervensystem in den Vordergrund (Verdauungsschlaf) und am Nachmittag haben wir in der Regel noch mal eine Phase, in der wir gut energetisiert, wachsam und aktiv sind. Zum Abend und zur Nacht übernimmt dann der parasympathische Teil wieder und wir kommen zur Ruhe. Wie wirkt Yoga und insbesondere Kundalini Yoga auf Anspannung und Entspannung? Durch den Wechsel von z.T. herausfordernden anstrengenden Haltungen innerhalb einer Kriya und der darauffolgenden Zeit des Nachspürens erlebst du in den Yogastunden diesen Wechsel von Anspannung und Entspannung. Bei ganz vielen dynamischen Haltungen gibt es am Ende eine Phase der maximalen Anspannung und dann das Nachspüren. Dabei kannst du merken, wie die Spannung (das Kribbeln) sich auflöst und ein wohliges Körpergefühl entsteht. Eine gute einfache Übung, um diesen Wechsel zu erfahren ist z.B. der „Ego-Vernichter“. Du sitzt in einer aufrechten Haltung, streckst beide Arme im 60°Winkel nach oben, rollst die Finger ein und streckst die Daumen zur Seite raus. In dieser Haltung bleibst du für zwei bis drei Minuten entweder mit langer tiefer Atmung oder mit Feueratem. Zum Schluss atmest du tief ein, hältst den Atmen an, spannst alle Muskeln in deinem Körper an und mit der Ausatmung löst du die Anspannung und die Haltung. Danach spürst du in einer entspannten Sitzhaltung in dich hinein und nimmst wahr, was passiert. In meinen Kundalini Yogastunden lege ich viel Wert darauf, meine Schüler*innen so anzu-leiten, dass sie diesen Wechsel von Anspannung und Entspannung während der Übungsreihe wahrnehmen können. Die Wahrnehmung des eigenen Befindens ist ein elementarer Bestandteil meiner Yogastunden: Nur wenn ich achtsam bin, kann ich fühlen, was in mir los ist, ob ich angespannt oder entspannt bin. Durch den bewussten Wechsel von Anspannung und Entspannung entwickle ich diese Wahrnehmung und kann diese Erfahrung dann auch in meinen Alltag integrieren. Nach der Übungsreihe mit den vielen kleinen Nachspürphasen kommt dann die lange tiefe Entspannung. In dieser Zeit wirken die Yogaübungen nach und unser Körper verarbeitet die Impulse und auch den Wechsel von Anspannung und Entspannung. Ich leite die diese Phase so an, dass du auch hier noch einmal ganz bewusst in die Anspannung und danach in die Entspannung gelangst.
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Entspannung

In diesem Text möchte ich ein paar Gedanken zum Thema Anspannung - Entspannung teilen. Der Wechsel von Anspannung und Entspannung ist einer der grundlegendsten Prozesse im Leben. Alle wichtigen Körperfunktionen folgen dem natürlichen Rhythmus von Anspannung und Entspannung. Wenn wir einen gesunden Rhythmus zwischen diesen beiden Polen haben, geht es uns gut und wir können uns gut konzentrieren, sind aufmerksam und können auch loslassen und entspannen. Hier ein paar Beispiele: unser Herz bzw. der Herzmuskel befindet sich permanent in einem Wechsel von Anspannung und Entspannung. Am Ende der Anspannungsphase wird das Blut aus dem Herzen in die Arterien gepumpt und während der Entspannungsphase gelangt es über das Blutgefäßsystem zurück in das Herz. Das gleiche gilt für die Atmung: Während der Einatmung wird die Atemmuskulatur - dazu gehören das Zwerchfell (Muskel-Sehnen-Platte) und die äußeren und inneren Zwischenrippenmuskeln - angespannt, so dass ein Unterdruck entsteht und die Luft in die Lungen gesogen wird. Bei der Ausatmung erschlaffen diese Muskeln. Erst wenn wir verstärkt atmen, wird auch die Ausatmung durch Hilfsmuskulatur unterstützt. Und auch die Vorgänge in unserem Nervensystem folgen dem Prinzip der Anspannung - Entspannung. Nach jedem Impuls der Reizweiterleitung (vom Gehirn zu den Muskeln oder auch von den Sinnesorganen zum Gehirn) gibt es einen kurzen Moment der Pause (= Entspannung) im Reizleitungssystem. In unserem vegetativen Nervensystem (der Teil den wir nicht willentlich steuern können) gibt es einen rhythmischen Wechsel von Phasen in denen wir eher aktiv und angeregt sind und Phasen in denen wir entspannt sind. Wenn unser vegetatives Nervensystem aktiv und angeregt ist, ist der sympathische Teil aktiv. Wenn wir entspannt sind, ist der parasympathische Teil aktiv. Es gibt nicht nur einen Tag-Nacht-Rhythmus im vegetativen Nervensystem, sondern auch einen Wechsel im Laufe des Tages: Morgens, wenn wir wach werden, bereitet der Sympathikus uns auf den Tag vor, unser Herzschlag wird kräftiger und schneller, unser Blutdruck steigt, die Atmung wird aktiver und alle Sinnesorgane werden aktiviert. Dies geschieht, damit wir gut in den Tag starten können. Gleichzeitig werden die körperlichen Prozesse, die nachts vom Parasympathikus angeregt werden wie z.B. die Verdauung und Regeneration, heruntergefahren. Im Laufe des Tages wechseln sich die beiden Phasen rhythmisch ab. Morgens und vormittags ist in der Regel das sympathische Nervensystem aktiver, um die Mittagszeit rückt das parasympathische Nervensystem in den Vordergrund (Verdauungsschlaf) und am Nachmittag haben wir in der Regel noch mal eine Phase, in der wir gut energetisiert, wachsam und aktiv sind. Zum Abend und zur Nacht übernimmt dann der parasympathische Teil wieder und wir kommen zur Ruhe. Wie wirkt Yoga und insbesondere Kundalini Yoga auf Anspannung und Entspannung? Durch den Wechsel von z.T. herausfordernden anstrengenden Haltungen innerhalb einer Kriya und der darauffolgenden Zeit des Nachspürens erlebst du in den Yogastunden diesen Wechsel von Anspannung und Entspannung. Bei ganz vielen dynamischen Haltungen gibt es am Ende eine Phase der maximalen Anspannung und dann das Nachspüren. Dabei kannst du merken, wie die Spannung (das Kribbeln) sich auflöst und ein wohliges Körpergefühl entsteht. Eine gute einfache Übung, um diesen Wechsel zu erfahren ist z.B. der „Ego-Vernichter“. Du sitzt in einer aufrechten Haltung, streckst beide Arme im 60°Winkel nach oben, rollst die Finger ein und streckst die Daumen zur Seite raus. In dieser Haltung bleibst du für zwei bis drei Minuten entweder mit langer tiefer Atmung oder mit Feueratem. Zum Schluss atmest du tief ein, hältst den Atmen an, spannst alle Muskeln in deinem Körper an und mit der Ausatmung löst du die Anspannung und die Haltung. Danach spürst du in einer entspannten Sitzhaltung in dich hinein und nimmst wahr, was passiert. In meinen Kundalini Yogastunden lege ich viel Wert darauf, meine Schüler*innen so anzu-leiten, dass sie diesen Wechsel von Anspannung und Entspannung während der Übungsreihe wahrnehmen können. Die Wahrnehmung des eigenen Befindens ist ein elementarer Bestandteil meiner Yogastunden: Nur wenn ich achtsam bin, kann ich fühlen, was in mir los ist, ob ich angespannt oder entspannt bin. Durch den bewussten Wechsel von Anspannung und Entspannung entwickle ich diese Wahrnehmung und kann diese Erfahrung dann auch in meinen Alltag integrieren. Nach der Übungsreihe mit den vielen kleinen Nachspürphasen kommt dann die lange tiefe Entspannung. In dieser Zeit wirken die Yogaübungen nach und unser Körper verarbeitet die Impulse und auch den Wechsel von Anspannung und Entspannung. Ich leite die diese Phase so an, dass du auch hier noch einmal ganz bewusst in die Anspannung und danach in die Entspannung gelangst.